Das Wow!-Signal war ein extrem starkes, 72 Sekunden dauerndes Schmalband-Radiosignal aus dem Weltraum, das 1977 empfangen wurde und bis heute als der aussichtsreichste Kandidat für eine Botschaft außerirdischer Intelligenz gilt.
- Datum: 15. August 1977, 22:16 Uhr EDT; entdeckt wenige Tage später durch den Astrophysiker Jerry R. Ehman beim Überprüfen der Computerdaten.
- Ort: Aufgezeichnet durch das „Big Ear“-Radioteleskop der Ohio State University; das Signal stammte aus der Richtung des Sternbilds Schütze.
- Status: Ungeklärtes Mysterium; trotz hunderter Nachbeobachtungen konnte das Signal nie wieder empfangen werden.
Worum geht es
Das Wow!-Signal ist ein Meilenstein in der Geschichte von SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence). Während einer routinemäßigen Himmelsdurchmusterung registrierte das Radioteleskop „Big Ear“ eine massive Spitze in der Signalstärke auf der Frequenz von 1420 Megahertz. Diese Frequenz entspricht der 21-Zentimeter-Linie des Wasserstoffs, die Wissenschaftler lange als die logischste „interstellare Kontaktfrequenz“ postuliert hatten. Das Signal hielt exakt 72 Sekunden an – genau die Zeitspanne, die das Teleskop aufgrund der Erdrotation benötigte, um einen festen Punkt am Himmel zu scannen. Es war schmalbandig, was bedeutet, dass es nicht von natürlichen astronomischen Quellen wie Quasaren oder Sternen stammte, die Breitbandrauschen aussenden. Jerry Ehman war so beeindruckt von der Intensität und Reinheit des Musters auf dem Computerausdruck, dass er den Buchstaben-Code „6EQUJ5“ einkreiste und das Wort „Wow!“ daneben schrieb, was dem Signal seinen Namen gab.
Untersuchungen
In den Jahrzehnten seit 1977 wurde das Wow!-Signal zur am besten untersuchten Radioanomalie des Weltraums. Forscher prüften zunächst irdische Störquellen: Geheime Militärsatelliten, Flugzeuge oder vom Erdboden reflektierte Signale wurden jedoch ausgeschlossen, da die Frequenz von 1420 MHz für terrestrische Funkdienste international gesperrt ist. Zudem bewegte sich die Quelle mit den Fixsternen, was gegen ein erdgebundenes Objekt spricht. Eine neuere Theorie von 2017 vermutete, dass zwei vorbeiziehende Kometen das Signal durch ihre Wasserstoffwolken verursacht haben könnten. Diese Hypothese wurde jedoch von der astronomischen Gemeinschaft weitgehend verworfen, da Kometen kein so scharf fokussiertes Schmalbandsignal erzeugen können und zum fraglichen Zeitpunkt nicht exakt im Fokus des Teleskops standen. Da das Signal nie wiederkehrte, fehlt die notwendige Verifizierung durch ein zweites Teleskop, was es in der Wissenschaft zu einem „Einzelergebnis“ macht, das zwar dokumentiert, aber nicht bewiesen ist.
Zusammenfassung
Zusammenfassend bleibt das Wow!-Signal das größte Fragezeichen in der Suche nach außerirdischem Leben. Alle Merkmale des Signals – seine Frequenz, seine Bandbreite und seine Dauer – entsprechen exakt dem, was Astronomen von einem künstlichen Signal einer fernen Zivilisation erwarten würden. Dennoch lässt das Ausbleiben einer Wiederholung keine definitive Schlussfolgerung zu. Es könnte sich um ein kurzes, gezieltes „Hallo“ gehandelt haben, oder um einen zufälligen Effekt, den wir noch nicht verstehen. Für die Wissenschaft ist es eine frustrierende Anomalie, für die Prä-Astronautik und die Ufologie hingegen das „Rauchende Colt“-Argument dafür, dass wir nicht allein im Universum sind. Es bleibt ein stummes Zeugnis aus den Tiefen des Alls, das uns daran erinnert, dass wir vielleicht nur im richtigen Moment in die richtige Richtung schauen müssen, um eine Antwort zu erhalten.
Detaillierte Analyse: Technisches Signal oder Kosmischer Zufall?
Die technische Beschaffenheit des Wow!-Signals ist der Schlüssel zu seiner Bedeutung. Die Zeichenfolge 6EQUJ5 auf Ehmans Ausdruck beschreibt die ansteigende und abfallende Intensität des Signals. Die Ziffern 1 bis 9 stehen für niedrige Signalstärken, während Buchstaben von A bis Z für höhere Werte stehen. Das „U“ markiert dabei die höchste Intensität, die jemals vom Big Ear gemessen wurde – über dem 30-fachen Hintergrundrauschen des Alls. Die Schmalbandigkeit von weniger als 10 Kilohertz ist besonders wichtig: Naturphänomene wie Pulsare oder interstellare Gaswolken senden Energie über ein breites Frequenzband aus. Ein so scharfes Signal, wie es 1977 gemessen wurde, erfordert einen Sender, der gezielt Energie auf eine einzige Frequenz konzentriert – ein klassisches Merkmal technologischer Intelligenz.
Ein weiterer Punkt der Analyse betrifft die Richtung der Quelle. Das Signal kam aus einer Region im Sternbild Schütze, nordwestlich des Kugelsternhaufens M55. In diesem Bereich gibt es keine offensichtlichen sonnenähnlichen Sterne in unmittelbarer Nähe, was die Identifizierung einer möglichen Heimatwelt erschwert. Kürzlich identifizierte der Astronom Alberto Caballero jedoch einen sonnenähnlichen Stern (2MASS 19281982-2640123) in dieser Region, der etwa 1.800 Lichtjahre entfernt ist und ein idealer Kandidat für ein exoplanetares System wäre. Wenn dort eine Zivilisation existiert, die ein Signal mit der Stärke des Wow!-Signals sendet, bräuchten sie einen Sender mit einer Leistung von über 2 Gigawatt – deutlich mehr als unsere heutigen Radiosender, aber für eine fortgeschrittene Kultur technisch machbar.
Interessant ist auch die soziologische Wirkung auf die beteiligten Personen. Jerry Ehman blieb zeit seines Lebens skeptisch und warnte davor, voreilige Schlüsse zu ziehen, während andere SETI-Pioniere wie Frank Drake das Signal als den „besten Beweis“ bezeichneten. In der UFO-Forschung wird oft spekuliert, ob das Signal ein Testlauf oder ein Teil eines interstellaren Navigationssystems war. Einige Anhänger der Prä-Astronautik vermuten, dass solche Signale nicht erst seit 1977 die Erde erreichen, sondern dass wir erst jetzt über die Technologie verfügen, sie wahrzunehmen. Wenn außerirdische Wesen bereits in der Antike die Erde besuchten, wie es die Paläo-SETI postuliert, könnten Radiosignale wie das Wow!-Signal die moderne Fortsetzung dieses Kommunikationsversuchs sein.
Das Ausbleiben einer Wiederholung ist das größte Argument der Skeptiker. Wenn es eine Botschaft war, warum wurde sie nicht wiederholt? Eine mögliche Erklärung ist das Konzept des „Beacons“: Ein Leuchtfeuer, das wie ein Leuchtturm den Himmel abtastet und nur alle paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte denselben Punkt trifft. Eine andere Möglichkeit ist, dass es sich um das Streulicht eines hochenergetischen Antriebssystems eines vorbeifliegenden Schiffes handelte. Da das Signal exakt auf der Wasserstoff-Linie lag, die aufgrund ihrer physikalischen Universalität als „universelle Sprache“ gilt, bleibt die Vermutung einer absichtlichen Handlung extrem stark. Das Wow!-Signal ist somit die „Nadel im Heuhaufen“, die wir kurz in der Hand hielten, bevor sie uns wieder entglitt.